Leben der Edelpute

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Leben der Edelpute 2018-07-19T13:15:06+00:00

Der Weg vom Ei zur Edelpute

Sie wollten schon immer wissen, wie das Leben auf einem Bauernhof im 21. Jahrhundert eigentlich genau aussieht? Wie hat die Technik, die unsere Leben so verändert hat, die Landwirtschaft verändert? Wir nehmen Sie mit auf eine spannende Reise durch die verschiedenen Abläufe, Routinen und Besonderheiten auf einem modernen Bauernhof.

Das Leben einer Pute beginnt bei 36°C in der Brüterei. Nur wenige Menschen haben Zutritt, alle müssen sich beim Betreten komplett umziehen und duschen, innen gelten strenge Hygienevorschriften. Das ist notwendig, um den frisch geschlüpften Putenküken eine möglichst saubere Umgebung bieten zu können, da sich die jungen Tiere sonst leicht mit Krankheiten anstecken können.

Noch am selben oder am nächsten Tag werden die Küken zum Bauern gebracht. Dazu kommen immer einige Küken in kleine Kartonschachteln, die mit spezieller Holzwolle gefüllt sind, damit sie es während der Fahrt angenehm weich und warm haben. Am Bauernhof angekommen erwartet das Putenküken eine neue, ungewohnte Umgebung. Es muss Futter- und Wasserstellen finden und seinen Platz im Stall suchen. Futter, Wasser, Temperatur, Licht und noch einiges mehr kann der Bauer elektronisch steuern und automatisch laufen lassen. So können die Tiere immer dann essen, wenn sie Hunger haben und müssen sich nicht während der Fütterungszeiten darum streiten.

In den ersten Wochen brauchen die Tiere am meisten Zuwendung. Die Temperatur muss täglich verändert werden, die Tiere werden mehrmals geimpft und bekommen je nach Bauernhof verschiedene pflanzliche Mittel und gute Darmbakterien (wie in Babynahrung), die ihnen helfen sollen eine gesunde Verdauung und ein gutes Immunsystem aufzubauen. Mehrmals täglich geht der Bauer durch den Stall und schaut auf seine Puten. Fallen ihm Tiere auf, die schwächer sind als die anderen oder krank aussehen, kommen sie in ein abgezäuntes „Krankenrevier“, wo sie Zeit haben sich zu erholen.

Zu Essen bekommen die Puten ihr ganzes Leben lang ausschließlich natürliche Produkte wie Getreidemischungen, Soja und Mais. Was vor vielen Jahren in Österreich und leider in manchen anderen Ländern noch immer der Fall ist, ist bei uns streng verboten: Antibiotika oder Hormone im Futter. Dadurch wachsen die Puten langsamer, aber gesünder und davon profitieren die Tiere und der Konsument. Auch das Wasser hat selbstverständlich immer Trinkwasserqualität. Der Stall ist mehrere Meter hoch und hat auf allen Seiten große Fenster, damit die Puten viel Sonnenlicht bekommen. Der Boden muss mehrere Zentimeter mit einem natürlichen Material wie Stroh oder Hobelscharten bedeckt sein.

Liegen einmal mehrere Tiere am Boden oder wirkt die Herde müde und krank, wird sofort der Tierarzt gerufen, der innerhalb weniger Stunden am Bauernhof ist.  Es gibt viele Möglichkeiten, wieso die Tiere so müde und krank erscheinen können – eine bakterielle Infektion, eine Viruserkrankung, verschiedene Mangelerkrankungen oder nur zu wenig Sauerstoff im Stall, weil die automatische Heizung die Fenster weiter zugemacht hat.

Die kranken Tiere werden untersucht, die gesamte Herde in ihrem Verhalten angeschaut, Proben von den erkrankten Puten genommen. Diese Proben werden in unserem hauseigenen Labor untersucht und vom Tierarzt ausgewertet. Dank einer speziellen Behandlung der Proben (Antibiogramm) weiß man genau, welches Antibiotikum am besten gegen die aktuelle Erkrankung hilft. Nur der Betreuungstierarzt darf dann eine Antibiotikumbehandlung erlauben.

Werden die Tiere älter, sind sie nicht mehr so anfällig auf Temperaturschwankungen und Krankheiten. Mittlerweile hat jedes Tier seinen festen Platz im Stall. Studien haben gezeigt, dass sich 200 Puten kennen und 20 – 30 eine genaue Rangordnung haben, innerhalb dieser Gruppen bleiben die Tiere. Weil Puten Herdentiere sind fühlen sie sich bei einer Dichte von 1,5 bis 2 Tieren pro Quadratmeter am wohlsten. In Österreich dürfen maximal 40kg pro Quadratmeter eingestallt werden, das entspricht ca. 1,7 ausgewachsenen Hähnen. Leider gibt es zu diesem wichtigen Punkt in vielen unserer Nachbarländer nur sehr schlechte oder gar keine Gesetze.

Die weiblichen Tiere sind mit ungefähr 16 Wochen ausgewachsene Edelputen, die männlichen mit 22 Wochen.